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Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre, Bochum

Immer einen Schritt voraus zu sein, ist in der IT-Sicherheit von fundamentaler Bedeutung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen an wirksamen Methoden, um den immer wieder neuen Gefahren aus dem Internet vorzubeugen und die Privatsphäre vor digitalen Eindringlingen zu schützen. Dass es sich dabei nicht um abstrakte Forschung handelt, braucht kaum eine Erläuterung. Die Digitalisierung des Arbeits- und Privatlebens wurde durch die Pandemie nochmals forciert und hat die Bedeutung von Cybersicherheit bis in die letzten Winkel des Alltags hinein getragen. Der Forschung geht es darum, Zusammenhänge gründlich zu verstehen, um dann fundierte und innovative Lösungen für praktische Probleme hervorzubringen.

Das von Bund und Ländern geförderte Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre wurde 2019 als interdisziplinäres Kompetenzzentrum gegründet und ist in der Aufbauphase auf dem Campus der Ruhr-Universität Bochum untergebracht. Um den geplanten etwa 350 Mitarbeiter*innen in 18 Forschungsgruppen eine optimale und zukunftssichere Arbeitsumgebung zu ermöglichen, erhält das Institut ein eigenes Gebäude.

Der Neubau des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre entsteht im Herzen der Entwicklungsfläche Mark 51˚7 des ehemaligen Opel-Areals. Wo erst vor wenigen Jahren noch der letzte PKW vom Band gelaufen ist, entsteht jetzt in der Wissenschaftsstadt Bochum ein Ökosystem aus Spitzenforschungseinrichtungen, Start-Ups und High-Tech-Firmen in unmittelbarer Nachbarschaft. Die komplexen Forschungsaufgaben setzen ein bauliches Konzept voraus, das den kollaborativen Wissensaustausch sowohl institutsintern als auch mit externen Forschergruppen in vernetzten Arbeitswelten unterstützt. Das von uns vorgestellte Gebäudedesign ermöglicht in seinen anpassungsfähigen Labor- und Bürobereichen sowohl themenfokussiertes Arbeiten als auch Interaktion und Kommunikation.

Ansicht Quartiersplatz mit Haupteingang
Blick in das gebäudehohe Foyer, die „Townhall“, mit dem von oben und seitlich natürlich belichteten Luftraum und den umlaufenden Galerien.
Fassade

Das Gebäude stellt sich in seiner Außenfassade als ein kompaktes, linear gestrecktes Volumen mit homogenem Erscheinungsbild dar. Die Konturen erhalten durch die abgerundeten Gebäudekanten und das Wechselspiel der Bandfassade mit den umlaufenden Horizontallamellen eine gleichermaßen ruhige Lagerung wie auch lebendige Unschärfe.

Das einschließlich der optionalen Erweiterung ca. 14.000 m² BGF große Raumprogramm umfasst etwa 5.000 m² Büros, Verhaltenslabore, Elektronik-und Hardwarelabore, Rechner- und Serverräume sowie  einen Seminarbereich mit Hörsaal für 200 Personen und eine Cafeteria. Das Gebäude hat eine Abmessung von ca. 100 x 60 Metern und eine Höhe von ca. 20 Metern.

Townhall

Die zentrale Erschließung erfolgt über das gebäudehohe Foyer, die „Townhall“, mit dem von oben und seitlich natürlich belichteten Luftraum und den umlaufenden Galerien. Vom Haupteingang führt eine breite Freitreppe in die erste Etage, von dort führen übereinander angeordnete, einläufige Treppen in die weiteren Etagen.

Die Planfigur des Institutsneubaus folgt der städtebaulichen Vorgabe und nimmt die Baulinien auf. Die Gebäudekanten und -höhen des fünfgeschossigen Bürobaukörpers korrespondieren mit der Nachbarbebauung, schließen die Straßenflucht und geben dem Quartiersplatz eine baulich klar definierte Fassung. Zum westlich gelegenen Grünzug hin wird die Baugrenze genutzt, um auch hier, jedoch mit abgestufter Höhe, eine klar definierte bauliche Kante zwischen dem Laborbereich des Instituts und dem öffentlichen Bereich auszubilden. Diese Kante nimmt auch der optionale Erweiterungsbau auf, so dass mit der zweiten Ausbaustufe die maximal mögliche Ausdehnung genutzt wird.

Im Erdgeschoss sind zentrale Gemeinschafts-, Funktions- und Sonderbereiche zusammen mit den Laborbereichen angesiedelt. Die Cafeteria hat eine Anbindung an den Quartiersplatz. Seminarräume und Hörsaalbereich sind für Besucher anderer Einrichtungen des Technologie- und Wissenschaftscampus sowie der Hochschulen auf kurzem Weg erreichbar.

Die Büroetagen sind Regelgeschosse mit kollaborativer Drei-Bund-Organisation: außen liegende Zellenbüros für ein oder zwei Personen, Scrum- und Besprechungsräume für die Kollaboration im größeren Kreis sowie dezentrale Nebenräume im inneren Bund.

Galerien

Das Foyer ist mit seinen Galerien eine geschossübergreifende, multifunktionale Verkehrs-, Aufenthalts- und Kommunikationsfläche und fördert mit verabredeten und auch spontanen Begegnungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den fachlichen Austausch für gemeinsam erarbeitete Lösungen. Auf den Galerien bieten kleinere Sitzbereiche und Besprechungsinseln Gelegenheiten für Gespräche und Austausch.

Eller + Eller Architekten konnten sich als Verfahrensführer in Arbeitsgemeinschaft mit Meyer Architekten gegenüber der renommierten Konkurrenz im Vergabeverfahren mit Wettbewerb für den geplanten Institutsneubau auf dem ehemaligen Opel-Areal durchsetzen. 

Ausschlaggebend für die Jury war die Expertise und die wegweisenden Konzeptansätze im Bereich der modernen Arbeitswelten, die gerade auch im Forschungsbereich immer mehr an Bedeutung gewinnen. Einerseits sind Kollaboration und Konnektivität zwischen den Forschern und Forscherinnen zum zentralen Beschleuniger von agiler Zusammenarbeit geworden. Andererseits wird die erlebbare Identität des Instituts als emotionaler und sinnstiftender Ort in den Mittelpunkt aller Wegebeziehungen gestellt. Die Gebäudekonzeptform verfolgt die von Eller + Eller Architekten seit Jahren entwickelte „ALL IN ONE“ Strategie, dass nahezu alle Nutzungen in jedem Teil des Gebäudes umsetzbar sind, auch in zukünftigen Nutzungsanpassungen. Somit stellt das Gebäude einen neuen Typus einer zukunftsoffenen und nachhaltigen Lösung dar.

Der Wettbewerb

Objektplanung, LPH 1 bis 9
Planungsbeginn: 06/2021
geplanter Baubeginn: Mitte 2024
geplanter Fertigstellung: Mitte 2027
14.000 qm BGF
Auftragnehmer: Arbeitsgemeinschaft Eller + Eller Architekten / Meyer Architekten LPH 1 bis 2; Eller + Eller Architekten LPH 3 bis 9